5 Möglichkeiten, einen öffentlichen Raum ansprechend zu gestalten


Was, wenn die natürliche Ausstrahlung unserer Umgebung die leichteste Möglichkeit für uns ist, Freude zu empfinden? Diese Frage stellt Ingrid Fetell Lee in ihrem aktuellen Buch „Joyful: The Surprising Power of Ordinary Things to Create Extraordinary Happiness“. Lees Suche danach, was genau Freude ist und wie wir sie empfinden, hat sie zu Orten auf der ganzen Welt geführt, an denen sie die, wie sie es nennt, „Ästhetik der Freude“ entdeckte. Es gab viele Elemente, auf die Lee während ihrer Reise aufmerksam wurde, z. B. bunte Farben, Muster und Objekte mit abgerundeten Konturen. Diese Eigenschaften, die uns optische und taktile Freude bereiten, können in das urbane Design und in öffentliche Plätze integriert werden und Menschen dazu bringen, Freude und Zusammengehörigkeit gemeinschaftlich zu erleben.

1. Bunte Farben geben ein Gefühl von Sicherheit: Farbpsychologie wird seit langem in Marketing und Design angewandt, um bei Konsumenten bestimmte Emotionen zu wecken. Persönliche Vorlieben und Erlebnisse sowie kulturelle Unterschiede machen es jedoch unmöglich, festzulegen, dass eine bestimmte Farbe bei uns allen dieselbe Emotion hervorruft. Lees Nachforschungen zeigen jedoch, dass bunte Farben bei allen Menschen Freude hervorrufen. Sie erklärt dies mit der wichtigen Rolle, die Farben in unserer Evolution spielten. Bunte Farben haben unseren nomadischen Vorfahren signalisiert, dass Leben in einer bestimmten Umgebung blühte und diese daher sicher war. Dieser Zusammenhang zwischen bunten, satten Farben und einem Gefühl von Sicherheit  besteht noch heute, sodass Farben wie Gelb, Blau, Orange und Türkis eine gute Wahl sind, um öffentliche Plätze ansprechender zu gestalten.

Ein Zug fährt an einem Chromatic Harvest Bild im Pendlerbahnhof Arvada Ridge Station vorbei

2. Farbe kann Kriminalität verringern: Wenn bunte Farben uns ein Gefühl der Sicherheit geben, dann macht es nur Sinn, dass die Kriminalität in farbenfrohen Umgebungen geringer ist. Lee liefert in ihrem Buch zwei Beweise für diese Idee. Die Stadt Tirana in Albanien, einst von Kriminalität und Verfall gezeichnet, ist heute eine lebendige Stadt, in der Einwohner sich sicher fühlen. Wie kam es zu einer solch beeindruckenden Veränderung innerhalb von vier Jahren? Mit nur einem geringen Budget ließ der Bürgermeister Gebäude in der Stadt bunt bemalen, in der Hoffnung, die Viertel wieder zum Leben zu erwecken. Die Gebäude wurden zu einem farbenfrohen Hoffnungsschimmer für die Einwohner und Kriminalität und Drogenmissbrauch verringerten sich bedeutend.

Publicolor ist eine gemeinnützige Organisation in New York City, die Schüler mit hohem Risiko, auf die falsche Bahn zu geraten, dazu ermutigt, unterausgestattete Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen in bunten Farben zu bemalen. Seit Publicolor 1996 ins Leben gerufen wurde, haben Schüler und Freiwillige fast 500 Schulen und öffentliche Plätze in NYC bemalt. In den von Publicolor bemalten Schulen steigen die Anwesenheits- und Abschlussraten und die Kriminalität sinkt.

3. Durch Kunst entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft Öffentliche Kunst verändert öffentliche Plätze und macht sie zu einem Ort, den Menschen besuchen wollen. Ein Wandbild oder eine Skulptur bringen Menschen zusammen und sind ein Ort, an dem sie Zeit miteinander verbringen können. Der Forscher Harriet Hawkins merkt an, dass öffentliche Kunst einen symbolischen Charakter haben kann und dadurch den Gemeinschaftssinn und das Engagement innerhalb einer Gemeinschaft fördern kann. Symbole bringen Menschen zusammen. Eines der besten Beispiele ist die Flagge eines Landes, mit der dessen Einwohner sich identifizieren. Das Gefühl von Einheit, das Kunst geben kann, kann außerdem den Gemeinschaftssinn von Einwohnern stärken und sie dazu ermutigen, sich füreinander und ihre Stadt einzusetzen.

U-Bahn-Station mit blauen Wänden und in großen Buchstaben geschriebenen Richtungsanweisungen

4. Supergrafiken: Große Grafiken, Schriften und Bilder an Wänden oder auf großen Flächen ziehen Menschen auf unterschiedliche Weise zu öffentlichen Plätzen. „Es geht nicht darum, etwas groß und in schönen Farben zu malen. Es geht darum, sich den Kontext eines Platzes anzuschauen, die Probleme, die es gibt und wie diese am besten angesprochen werden können. Farben und Formen können eine Struktur komplett verändern“, sagt Sean Adams, Autor von „The Field Guide to Supergraphics: Graphics in the Urban Environment“ und Mitbegründer des ehemaligen kalifornischen Designstudios AdamsMorioka in einem Interview mit Design Week. Der Artikel beschreibt wie Supergrafiken ihre Umgebung mit Leben und Energie erfüllen können. Supergrafiken geben öffentlichen Plätzen eine besondere Note, von politischen Botschaften bis hin zu Stadtinformationen und Wegweisern.

Rote, orangefarbene und gelbe Wände und Strichfiguren von Menschen in einer öffentlichen Toilette.

5. Überfluss Mit einer monotonen Farbpalette wirkt ein öffentlicher Platz im besten Fall wenig beeindruckend. In einem Artikle von Archinect, erklärt Designer Frank H. Mahnke, dass Menschen in einem wenig stimulierenden Umfeld Anzeichen von Ruhelosigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen zeigen. Forschungsergebnisse von Kathie Engelbrechtunterstützen Mahnkes Aussage: Menschen in einem monotonen Umfeld ziehen sich oft in sich zurück. „Das kann zu Angststörungen und Unruhe führen, ein Resultat fehlender Stimulation. Durch diese fehlende Stimulation kommt es außerdem zu Ruhelosigkeit, übersteigerter Emotionalität, Konzentrationsschwierigkeiten und Überreiztheit.“ Durch Stimuli von Kunst, Farbe und Architektur fühlen wir uns lebendig. Überfluss ist auch ein Element in Lees „Aesthetics of Joy“. Sie merkt an, dass Dinge wie Konfetti vielen Menschen Freude bereiten.

Einen ansprechenden öffentlichen Platz zu gestalten bedeutet, einen Ort zu gestalten, an dem Menschen sich willkommen fühlen, an dem sie Freude empfinden und wo sie sich sicher fühlen. Wenn ein Ort durch Farbe und Kunst eine Geschichte erzählt, kann dieser zu einem Symbol für eine Gemeinschaft und ihre Menschen werden. 

Antworten


  1. Matthew says:

    20. Dezember 2018 um 4:30 a. m.

    Fantastic insights, i love the references to academic research, backing up the POV


Hinterlassen Sie einen Kommentar